Giftköder gefressen – was nun?

Inhalt

1) Keine Zeit verschwenden

2) Keine Selbstmedikation

3) Häufigste Giftköder und Ablageorte

4) Symptome erkennen

5) Aufnahme von Giftködern verhindern

6) Rechtliche Konsequenzen für Täter

7) Tipps was du sonst noch beachten kannst


1) Keine Zeit verschwenden

Beim geringsten Verdacht, dass dein geliebter Vierbeiner einen Giftköder gefressen haben könnte, muss sofort gehandelt werden. Bringe deinen Hund schnellstmöglich zum Tierarzt oder gegebenenfalls in eine Tierklinik mit Notdienst. Kündige den Notfall telefonisch an und mach dich sofort auf den Weg!

Schon in kürzester Zeit können die meisten Giftköder Vergiftungszeichen verursachen.

Habe immer die Kontaktdaten deines Tierarztes, der nächst gelegenen Tierklinik und eines Notfalldienstes dabei! Insbesondere wenn ihr auf Reisen seid!

2) Keine Selbstmedikation

Verzichte auf jede Form der Selbstmedikation.

Hier wird oft die Verabreichung von Aktivkohle empfohlen, dazu müsste jedoch die genaue Dosierung bekannt sein. Außerdem ist die Verabreichung unterwegs sehr schwierig. Lass dich bei Auslandsreisen von eurem Tierarzt aufklären.

Bringe das Tier auf keinen Fall zum Erbrechen.

Selbstmedikationen sind meist an Ort und Stelle des Geschehens nicht durchzuführen und können lebensgefährlich sein, wenn dein Hund scharfkantige Gegenstände oder ätzende Stoffe aufgenommen hat.

3) Häufigste Giftköder und Ablageorte

„Hundehasser“ verarbeiten meist die im Handel erhältlichen Gifte wie:

  • Rattengift
  • Schneckenkorn
  • Beruhigungsmittel/Sedativa für Menschen
  • Scharfkantige Gegenstände

Sie werden in Wurststückchen, Hackfleischbällchen oder Leckerlis eingebracht.

Giftköder werden längst nicht nur im öffentlichen Raum wie Parkanlagen, Feld- und Straßenränder ausgelegt, sondern ebenso über den Zaun von Grundstücken oder auf den Balkon der HundebesitzerInnen geworfen.

Die wirklich hilfreiche APP: „Dogorama“ besitzt ein Radar für Giftköder und andere Gefahren. Damit kann sie oft frühzeitig dafür sorgen, das bestimmte Gebiete entweder gar nicht besucht werden oder besagte Köder schnell entfernt werden können.

4) Symptome erkennen

Je nach Art des aufgenommenen Giftes oder der Beschaffenheit von Gegenständen, sind folgende Symptome möglich:

  • Erbrechen ist oft das erste und häufigste Symptom von Vergiftungen
  • Starke Bildung von weißem Speichel
  • Sehr starkes Hecheln
  • Blasse Schleimhäute
  • Veränderte Pupillen
  • Auffallende Teilnahmslosigkeit

Die Symptome stellen sich nicht immer sofort ein, sondern treten oft erst verspätet auf. Immer abhängig von der Art des Giftköders.

Vergiftung mit Rattengift

Die Symptome können erst nach einigen Tagen auftreten. Typische Anzeichen sind hier:

  • Blutiger Durchfall
  • Erbrechen
  • Müdigkeit
  • Niedrigere/erhöhte Körpertemperatur
  • Zentrale Krämpfe
  • Nach zwei bis drei Tagen treten Blutungen auf den Schleimhäuten und aus Körperöffnungen auf.

Leider verstirbt der Hund häufig innerhalb von drei bis fünf Tagen an Organversagen, wenn die Vergiftung nicht rechtzeitig erkannt wurde oder die Giftmenge zu groß war.

Vergiftung mit Insektenbekämpfungsmitteln

Hier sei insbesondere ‚Schneckenkorn‘ erwähnt.

Es ist leicht im Handel erhältlich, wird in vielen privaten Gärten genutzt und wird, aufgrund seines süßlichen Geschmacks, gern von Hund und Katze gefressen. Schon nach 30 Minuten können die ersten Vergiftungserscheinungen auftreten. Das Tier muss hier ebenfalls schnellst möglich zum Tierarzt. Sollte das Gift in den Blutkreislauf gelangen, kann nur noch symptomatisch behandelt werden. Bei einer Dosis von 200mg- 600 mg wirkt das Gift bei Hunden, je nach Größe, tödlich.

Vergiftung mit Betäubungsmitteln/Sedativa für Menschen

Bei dieser Art des Giftes kommt es sehr schnell zu ersten Anzeichen, wie

  • Torkeln
  • Bewusstseinsverlust

Scharfkantige Gegenstände

Auf ebenso grausame Art werden Köder zum Beispiel mit Rasierklingen, Glasscherben oder Nägeln bestückt. In diesem Fall blutet das Tier häufig aus dem Maul.

5) Aufnahme von Giftködern verhindern

Hier hilft vor allem ein gezieltes Training in der Hundeschule. Solltest du nicht über die finanziellen Mittel für ein zusätzliches Training verfügen, findest du im Internet bereits sehr gute Video-Anleitungen und Buchtipps, wie du deinem Vierbeiner das Fressen vom Boden und außerhalb der Futterzeiten abgewöhnen kannst.

6) Rechtliche Konsequenzen für Täter

  • Laut § 1 des Tierschutzgesetzes (TierSchG) darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leid oder Schaden zufügen. Der Ärger über das Verhalten eines Hundes oder dessen Halter gehört sicher nicht zu diesen Gründen.
  • Im TierSchG wird ebenfalls geregelt, wann eine Straftat gemäß § 17 oder eine Ordnungswidrigkeit nach § 18 vorliegt.
  • 17 sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor. Zusätzlich kann ein lebenslanges Tierhaltungsverbot ausgesprochen werden.
  • 18 sieht eine Geldbuße von bis zu 25.000 € vor.
  • Gemäß § 303 des Strafgesetzbuches kann der Täter auch wegen strafbarer Sachbeschädigung verurteilt mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe verurteilt werden.

7) Tipps, was du sonst noch beachten kannst

  • Wenn möglich, sammle Beweise.
  • Mache Fotos vom Ablageort und von den Giftködern.
  • Sichere die Giftköder.
  • Nimm Daten von Zeugen auf, wenn möglich.
  • Erstatte in jedem Fall Anzeige bei der zuständigen Polizei oder Staatsanwaltschaft und beziehe dich auf Paragraph 17 und 18 des Tierschutzgesetzes.
  • Stelle zusätzlich innerhalb der dreimonatigen Frist einen Strafantrag, da Sachbeschädigung ein Antragsdelikt ist und ohne Antrag nur verfolgt wird, wenn die Behörde ein öffentliches Interesse sieht.

Was kannst du als Hundebesitzer tun, damit es gar nicht so weit kommt?

  • Es können der Nachbar, der sich gestört fühlt, oder Bewohner der näheren Umgebung sein, die sich an den Hinterlassenschaften deines Hundes, seines Lärms und/oder Fehlverhalten stören. Beschweren sich deine Nachbarn oder Passanten bei dir, nimm die Beschwerde ernst. Redet miteinander. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die schnell behoben werden können. Vielleicht wurden schon viele schlechte Erfahrungen mit Hunden anderer HalterInnen gemacht. Zeige Verständnis und biete Lösungen an
  • Halte dich an die Leinen- bzw. Maulkorbpflicht deines Wohnortes und deines jeweiligen Aufenthaltsortes
  • Es sollte selbstverständlich sein, dass du als Hundebesitzer die Hinterlassenschaften deines eigenen Hundes aufnimmst und im Mülleimer entsorgst

Unser persönlicher Tipp:

Eine gute Erziehung in der Hundeschule ist für jeden Hund wichtig – nicht nur wegen der Nachbarn. Fange bereits im Welpenalter an. Unerlässlich ist das Hundetraining, wenn du einem Hund aus einem Tierheim ein neues Zuhause gibst. So könnt ihr euch viel besser kennenlernen. Das Training in der Hundeschule schafft eine besondere Verbindung zwischen dir und deinem Hund. Hier lernt dein Vierbeiner die Sozialisierung mit anderen Hunden und Menschen. Störende Verhaltensweisen können abtrainiert werden oder kommen gar nicht erst auf. Und es macht unglaublich viel Spaß! 😊

Für die Beratungsresistenten unter den Hunden gibt es unter anderem auch spezielle Maulkörbe die eine Futteraufnahme verhindern. Frag einfach bei deinem nächsten Besuch im Zoohandel deiner Wahl nach.

Mit unseren Informationen und Tipps bist du für den Ernstfall schon sehr gut gewappnet. Wie du deinen Vierbeiner sonst noch schützen und für ihn sorgen können, erfährst du HIER.